Die Geschichte vom Quantenland

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Impressum
Es war einmal, zu einer anderen Zeit, in einer fernen Welt, ein Land, dass nannte man das Quantenland. Die Leute dort lebten vom Feilbieten von allerlei Korn- und Getreidearten. Die Leute arbeiteten hart, und es ging ihnen gut. Im Quantenland gab es vier grosse Kasten: Zuerst einmal gab es die Kaste der Landbauern. Unter der harten, aber gerechten Leitung Seiner baeuerlichen Exzellenz, Waldemar I., sorgten sie fuer eine gute Vorbereitung des Bodens fuer das Saatgut, fuer die Bewaesserung, fuer die Pflege des Bodens und fuer die Duengung. Dann kam die Kaste der Saeher. Sie kreuzten und entwickelten stets weitere und bessere Samen, um sie dann auszusaehen, auf das sie ertragreiche Aehren truegen, um diese auf dem Markte feilzubieten. Dieses wurde durch die dritte Kaste, die Kaste der Kaufleute getaetigt. Unter der Leitung Seiner grossherzoglichen Exzellenz, des Grossen und Herrlichen Thomas aus dem Geschlecht derer von Moeller ernteten sie die Aehren und boten sie auf dem Markte zum Kauf an. Die vierte Kaste war die der Herrschenden. Es gab deren zwei, und unter ihrer weisen Leitung wuchs der Wohlstand im Lande der Quanten.

Die Bauern des Landes waren die unterste Kaste. Sie arbeiteten schwer, den Boden fuer die Saat immer gut vorzubereiten, um den jungen Pflaenzchen ein unbeschwertes Wachstum zu bieten und den Boden zu duengen, um die Ausbeute an Getreide zu garantieren und zu erhoehen. Leider wurde ihre Arbeit kaum gewuerdigt. Obwohl keiner ohne den anderen wuerde leben koennen, obwohl ohne die Bauern die Saat der Saeher nicht wuerde aufgehen koennen und die Kaufleute nichts wuerden verkaufen koennten, wurde die Arbeit der ersten Kaste mehr belaechelt, und ihre Mitglieder wurden von vielen mit Herablassung behandelt. Bei jedem Problem wurden die Bauern gerufen, hatten von heute auf morgen fuer neues Ackerland zu sorgen und mussten Pflanzen von einem Orte zum anderen bringen neben ihren anderen Pflichten, naemlich den Boden zu pflegen und ihn zu bewaessern. Und trotzdem wurde ihre Arbeit nicht geschaetzt, trotz der vielen Arbeit.

Hier tat sich leider besonders der Grosse und Herrliche Thomas hervor. Nie liess er ein gutes Wort an der Arbeit der Bauern, mochten sie sich auch noch so anstrengen. Selbst wenn sie schufteten, um wieder einmal ganz kurzfristige Order auszufuehren, so fand der Grosse und Herrliche Thomas immer ein schlechtes Korn unter all den vielen guten Dingen. Er stellte viele Fragen zu den Belangen der Bauern, und machte herablassende Bemerkungen, wenn denn mal ein Problem auftauchte, zu deren Bearbeitung die Bauern etwas mehr Zeit brauchten, da sie ja auch noch viele andere Dinge zu leisten hatten. Gerne auch versuchte er den Bauern vorzuschreiben, wie sie zu arbeiten haetten, obwohl er nun einmal Kaufmann war und von der Arbeit der Bauern nicht viel verstand. Doch wies man ihn darauf hin, so lief er gerne zu den maechtigen und guetigen Herrschern des Reiches, um ihnen sein Leid zu klagen, anstelle die Sache, wie es unter richtigen Maennern ueblich war, mit Seiner baeuerlichen Exzellenz, Waldemar I., zu bereinigen.

Die Bauern waren traurig ob dieser Missachtung ihrer Arbeit und der spoettischen Bemerkungen des Grossen und Herrlichen Thomas, der ja einer der Maechtigen des Landes war und sogar auf dem Markte ueber die Bauern laesterte. Und nicht selten geschah es, dass die Bauern des Nachts nach harter Arbeit zusammen sassen und bitterlich weinten!

Eines Tages aber packte die Bauern der Zorn! In ihrer Ohnmacht beschlossen sie, ein geheimnissvolles und fast vergessenes Ritual zu vollziehen! Und dann, in einer stuermischen Nacht, trafen sie sich unter einer Eiche, die an einem dreizehnten Freitag den Dreizehnten gepflanzt worden war. Sie sprachen die alten Worte und ritzten die alten Symbole in das Holz. Ploetzlich oeffnete sich der Himmel, und Baeche von Wasser stuerzten herab. Endlos zuckten Blitze vom Himmel, Vulkane brachen aus dem Boden hervor, Lava schoss empor und die Erde bebte! Aus einem Fluss von Feuer stieg der Waechter ueber die Worte. Eine gewaltige Gestalt, mit ernstem Gesicht und scharfen Augen, die den Anfang und das Ende der Zeit gesehen haben. Der Waechter ueber die Worte hoerte von dem Grossen und Herrlichen Thomas und ueber dessen Missbrauch des Wortes, und so begab er sich zu diesem, um ihn zu pruefen.

Der Grosse und Herrliche Thomas erstarrte vor Schreck, als der Waechter der Worte vor ihm erschien. Dabei hatte der Waechter eine kleine, zierliche Waage, ganz aus Gold, so fein, dass sie zu empfindlich war, um Staub zu wiegen! Mit ihr konnte man Worte wiegen, und so nahm der Waechter die Worte des Thomas, nahm die gesprochenen Worte und die gedachten Worte, die Worte der Vergangenenheit, die Worte der Gegenwart und die Worte der Zukunft und legte sie auf seine Waage! Erst tat sich nichts Auffallendes. Doch dann! Oh wehe! Die Waage geriet aus dem Gleichgewicht! Immer mehr neigte sie sich zur dunklen Seite, bis sie schliesslich herunterfiel!

Das erzuernte den Waechter. "Qui habet aures audiendi audiat!" rief er, und die Wucht seiner Worte zerfetzte die Kleidung des Thomas und wirbelte ihn herum wie eine Staubwolke im Orkan! Die Baeume zerbarsten, die Fluesse gefroren, und die Blumen verbluehten! "Wehe, Sterblicher!" grollte der Waechter. "Du missbrauchst die Macht der Worte. Sei gewarnt! Kehre um, solange es noch geht, oder deine Worte kehren um und treffen dich selbst!" Der Thomas zitterte, doch die Einsicht wollte nicht kommen. Da schrie der Waechter: "Du unglaeubiger Thomas!" Die Erde oeffnete sich, um die beiden herum explodierte der Boden und stand in Flammen! "Du bist gewarnt!" rief der Waechter ueber die Worte. "Achte die Arbeit der anderen und lebe mit ihnen, denn ihr sitzt im selben Boot! Schwanke zu stark, und das Boot kentert und ihr alle ertrinkt!"

Dann verschwand der Waechter der Worte in einem blendenden Blitz, und zurueck blieb der Thomas, mit weiss gewordenen Haaren, um Jahre gealtert, mitten auf dem brennenden Feld! In dieser Stunde schwor er sich, offen zu sein, die Arbeit aller zu achten und allen Buergern im Quantenland ein feiner Freund zu sein! Er bereute die Fehler der Vergangenheit, und wer ehrlich bereut, dem kann man verzeihen!

Und so kehrte wieder Frieden und Freundschaft ein in das Quantenland! Und durch die Arbeit aller gedieh das Getreide hervorragender denn je!

[nichts] Die literarische Ecke Wächter im Tal der verlorenen Wünsche


©2016 Holger Thiele
generiert aus "quantenland.template" vom 28 07 2001
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